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Der Mensch ist Gast in der Natur des Nationalparks

1. Juli 2020 · Allgemein · Bayerischer Wald · Presse

50 Jahre Nationalpark Bayerischer Wald

Der Mensch ist Gast in der Natur
Tourismus aus den Wurzeln des Nationalparks

Ulrike Eberl-Walter

 

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Ein Wald mehr als viele Bäume, ein Waldgebirge mehr als aneinandergereihte Berge, ein Nationalpark mehr als viele kleine Schutzgebiete, das Grüne Dach Europas mehr als zwei nebeneinanderliegende nationale Schutzgebiete.

 

Quelle: Ulrike Eberl-Walter

Ruckowitzschachten im Sommer

Die Sehnsucht nach Wald und Wildnis zieht die Menschen an. Wald steht seit eh und je für die Erholung für die Seele, Wildnis für Geheimnisvolles und Abenteuer. Die Natur eines Urwaldes dringt tief in die Gefühle und Empfindungen der Menschen vor. Welche Natur braucht der Mensch? Wirtschaftswald oder Urwald? Junge Menschen beschäftigen sich gerade viel mit dem Thema Natur. Doch es geht ihnen nicht nur um die allgemeine Bedeutung der Natur, sie hinterfragen, wie etwa Abgase, Plastik und Landverbrauch die Natur, den Lebensraum auf der Erde, beeinträchtigen. Sie sind sensibel geworden, stellen Naturerhalt vor Ertragsbewirtschaftung. In der Nationalparkregion Bayerischer Wald beschäftigt man sich seit über 50 Jahren mit der Frage, was es bedeutet der Natur den Vortritt zu lassen. „Natur Natur sein lassen“ sorgt für Diskussionen, polarisiert, die Meinungen gehen auseinander. Seit Jahrhunderten nutzen die Menschen den Wald als Rohstoffquelle für Bauholz, Brennholz, Möbelholz, Holzkunst. Die Bauern hegen, pflegen und nutzen ihren Wald, man geht zur Jagd. In einem Nationalpark stehen der Mensch und sein Eingreifen nicht mehr im Mittelpunkt. Bernhard Grzimek sagte 1970 zum Nationalpark „Der Mensch wird hier Gast in der Natur sein, nicht aber in erster Linie Gestalter, wie in der übrigen Landschaft.“

 

Wind und Käfer sind die Baumeister eines neuen Waldes

Peltis grossa UrwaldreliktkäferQuelle: Nationalpark Bayerischer Wald
Die Windwürfe in den achtziger Jahren stellten den Nationalpark auf die Probe. Borkenkäfer übernahmen die geschädigten Bäume und die Borkenkäferbekämpfung wurde zentrales Thema der Nationalparkdiskussion. „Die Windwürfe bleiben liegen. Wir wollen hier einen Urwald für unsere Kinder und Kindeskinder“, entschied Hans Eisenmann, Bayerischer Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 1983. Eine Entscheidung, die bis heute und in die Zukunft reicht. Wie viel konnten die Menschen schon vom Nationalpark lernen. Demütig schaut man auf die uralten Bäume, ob sie nun gefallen am Boden liegen oder majestätisch in den Himmel ragen. Wie klein erscheint die eigene Lebensspanne, wenn man die Jahresringe eines Baumes zählt. Welchen Ideenreichtum, welche Farbenpracht, welche Formenwelt schenkt der Wald seinem Betrachter. Welch ein sagenhaft entspannendes Grün spendet einem das Blätterdach eines Waldes, welche Aromen eine sonnige Lichtung. Der Nationalpark ist ein Urwald für auch für die Menschen geworden, für Einheimische und Gäste. Für die Region heißt das, sich der Ressource Natur und ihres unschätzbaren Wertes bewusst zu werden, den das Alleinstellungsmerkmal „erster deutscher Nationalpark“ bietet. Touristisch ist dies ein epochaler Glücksumstand und öffnet die Chance, sich als einzigartig ökologisch-naturnahe Urlaubsregion zu positionieren.

 

Naturjuwel für die Region

Reh im NationalparkQuelle: Nationalpark Bayerischer Wald
Viele Veränderungen beschäftigen derzeit die Forstwirte und Touristiker. Die Fichtenwälder sind durch die Trockenheit der vergangenen Jahre vorgeschädigt. Nicht rechtzeitig verarbeitete Windbrüche bergen die Gefahr Käferbrutstätten zu werden, die Rundholzmärkte sind aus vielerlei Gründen ohnehin angespannt, warnt die Waldbauernvereinigung. Tourismusverantwortliche treibt die Sorge um, wie sich die Urlauber verhalten, wenn ganze Waldgebiete absterben, wenn Nadeln von den Fichten rieseln und der Wald licht wird. Ohnmachtsszenarien, auf die man im Nationalpark eine Antwort weiß: Der Wald stirbt nicht, doch er wird sich verändern, er wird sich anders zusammensetzen. So ist aus dem Nationalpark Bayerischer Wald ist ein unschätzbares Naturjuwel für die Region geworden. Und er zeigt, dass der Wald bunt und vielfältiger nachwächst, als er zuvor war. Die Menschen brauchen nur Geduld, denn eine Menschengeneration ist viel kürzer als eine Waldgeneration.

 

Schatztruhe Wald

Kiebitz im NationalparkQuelle: NP_Rainer_Simonis
Seit 50 Jahren entsteht aus dem planmäßig bewirtschafteten Wald ein Urwald. Totholz ist Lebensraum. Pilze die als ausgestorben galten oder auf der Roten Liste standen, tauchen auf, ebenso wie Urwaldreliktkäfer. Boden, Luft und Wasser haben sich verändert. Mikroorganismen, Pflanzen, Vögel, Tiere teilen sich eine phantastische, unvorstellbar artenreiche Welt. Der Nationalpark ist Heimat, ein Platz, wo Menschen, Tiere, Pilze, Pflanzen nebeneinander gedeihen können. Wo jeder nur den Platz beansprucht, den er gerade jetzt braucht. Wenn er ihn verlässt, bleibt dieser unbeeinträchtigt zurück.

Gast in der Natur des NationalparksQuelle: bayern.by_Jan_Greune
Der Mensch ist Gast in der Natur. Damit er das sein kann, braucht er Informationen, Wege, kurz Infrastruktur. Im jungen Nationalpark arbeitet man kräftig daran, den Bedürfnissen seiner Gäste gerecht zu werden. Der finanzielle und personelle Gürtel war eng geschnallt. Der Verein der Nationalpark-Freunde war immer schon Begleiter und unterstützte viele Projekte. Dazu gehörten internationale Jugendaustausche, nationalparkspezifische Fortbildungen, Praktikas für die Umwelt, die Ausstattung der ersten Ranger, Fachtagungen und vieles Weitere. Der Verein finanzierte Anfang der siebziger Jahre den Bau des Bärengeheges und unterstützte durch den Einsatz eines Zoologen verschiedene Wiederansiedlungsprogramme von Vogelarten. Dies zeigt, was alles dahinter steckt, bis ein Nationalpark, wie wir ihn heute kennen, aufgebaut ist. Heute beschäftigt der Nationalpark rund 200 Mitarbeiter. Sie alle tragen dazu bei, Fachbesuchern und Freizeitgästen den Nationalpark erlebbar zu machen. Dafür braucht es Orte, die Einblick in die Natur geben und Menschen, die die Nationalparkphilosophie vermitteln können, die Naturbegeisterung in sich tragen und Fachwissen haben. Die nächste Generation wartet: Viele Jugendliche wollen sich zu Junior Rangern ausbilden lassen oder ein freiwilliges ökologisches Jahr im Nationalpark machen. Der Nationalpark ist noch jung. Es gibt noch viel zu Entdecken. In Fachkreisen genießt der Nationalpark hohe Anerkennung. Zahlreiche Wissenschaftler und Forscher verschiedenster Fakultäten kommen in den Nationalpark. Er ist zum internationalen Vorbild und Forschungszentrum geworden. Von diesem Imagegewinn profitiert der gesamte Bayerische Wald.

 

Alles in Einem: Touristisches Highlight und Refugium für die Natur

Umweltbildung im NationalparkQuelle: bayern.by_Jan Greune
Die Philosophie des Nationalparks fußt auf den Schwerpunkten Naturschutz, Bildungs-, Informations- und Öffentlichkeitsarbeit, Forschung, Integration des Nationalparks in die Region und Erholung. Das Waldgebiet schützen und gleichzeitig für die Menschen erlebbar machen, das scheint auf den ersten Blick ein schwieriges Unterfangen zu sein. Doch es ist gelungen: 1,4 Millionen Besucher kamen 2019 in den Nationalpark, fast doppelt so viele wie 2007. Der Nationalpark übt Anziehungskraft auf die Menschen aus und ist Kapital für einen nachhaltigen und effektvollen Tourismus. „Die Nettowertschöpfung beträgt in rund 26 Millionen Euro pro Jahr“, informiert Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber über die ersten Ergebnisse einer laufenden Studie zu den regionalökonomischen Auswirkungen durch den Tourismus im Nationalpark Bayerischer Wald, „sowohl die Besucherzahlen, als auch die daraus resultierende Wirtschaftskraft sind im vergangenen Jahrzehnt deutlich gestiegen.“ Ein Sonderprogramm mit einem Volumen von 32 Millionen Euro soll die Infrastruktur stärken. Auf dem Programm stehen unter anderem die Ertüchtigung der Informationshäuser, eine Waldwerkstatt für Kinder und Jugendliche und die Sanierung der Nationalparkstraße.

 

Alle wollen in den Nationalpark

Quelle: Ulrike Eberl-Walter

Steinmännchen am Falkenstein

In Anbetracht der Gästezahlen ist die Besucherlenkung ein großes Thema. Touristen mit Rucksack und Wanderstiefeln, mit dem Fahrrad, per Bus, auf Schneeschuhen und Langlaufskiern strömen in den Nationalpark. Sie wollen in die Informationszentren, zu den Erlebnisstationen, auf den Baumwipfelpfad und auf die Berggipfel. Sie sind auf den Wander- und Radwegen ebenso unterwegs wie im Winter auf Loipen und Schneeschuhrouten. Überregionale Wege, wie der 660 Kilometer lange Qualitätswanderweg Goldsteig und die 700 Kilometer lange Mountainbikeroute Trans Bayerwald durchqueren den Nationalpark.

Den Nationalparkrangern und Waldführern kommt eine wichtige Aufgabe zu. Sie vermitteln bei täglichen Führungen das Wissen um die Natur, sie sensibilisieren, wo die Natur gerade ein fragiles, zartes symbiotisches Geflecht errichtet oder wo Arten gerade erst wieder Fuß gefasst haben und intensiven Schutz benötigen. Die Führungen und Veranstaltungen des Nationalparks sind sehr beliebt und ein hervorragendes Angebot für Einheimische, Ausflügler und Urlaubsgäste. Hinzu kommen das Wegeleitsystem und die Infotafeln zu den verschiedensten Themen, die den Besuchern eine gute Orientierung geben. Sie erklären und veranschaulichen Zusammenhänge im Ökosystem.Wegemarkierung

Hier liegt das Fahrtziel Natur: Die Waldbahn und die Regionalbusse gewährleisten eine gute Anbindung an den ICE-Bahnhof Plattling. Der Bahnknotenpunkt in Zwiesel ist ein exzellent funktionierendes Mobilitätsscharnier. Dazu kommt das Igelbus-System im Nationalpark, das es seit nahezu 30 Jahren gibt. Mit Bahn und Bus ist man jederzeit umweltschonend mobil. Das Auto braucht man nicht. Ein besonderer Service für die Urlaubsgäste ist das Gäste-Umweltticket, kurz GUTI. Es ist Gästekarte und Fahrschein in einem. Das schätzen viele Gäste der Nationalparkregion.

 

Warum kommen die Menschen in den Bayerischen Wald?

Befragt man die Gäste des Bayerischen Waldes nach ihren Urlaubsmotiven, geben über die Hälfte „Erholungsurlaub“ an, ein Drittel macht Familienurlaub, dann folgen Wellness- und Wanderurlaub. Alle Gruppen wollen viel Zeit in der Natur verbringen. Fast alle wollen während ihres Aufenthalts den Nationalpark besuchen. Natur und Ursprünglichkeit, authentische Herzlichkeit und Abwechslung sind bedeutsam für eine erholsame Reisezeit. Der Tourismusverband Ostbayern e.V. bewirbt den Bayerischen Wald daher mit starkem Bezug zur Natur: Wandern, Mountainbiken, Familienurlaub, Erholungsurlaub mit mannigfaltigen Möglichkeiten, Land und Leute kennen zu lernen. Die Bayerwald-Expeditionen, einer Vernetzung zahlreicher Naturerlebnismöglichkeiten, fördert die Wertschätzung der Natur verbunden mit Leichtigkeit, Spielfreude und Abenteuerlust, während Wellnessurlaub eher etwas für diejenigen ist, die sich verwöhnen lassen wollen und lieber den Ausblick in die Natur genießen.

LindbergschachtenQuelle: Ulrike Eberl-Walter

Lindbergschachten

Eine besondere Stellung haben in der Nationalparkregion die Nationalparkpartner. Sie identifizieren sich mit den Zielen des Nationalparks und bieten einen verlässlichen Qualitäts- und Umweltstandard. Sie sind die perfekten Gastgeber und touristischen Anbieter, wenn es um die Strahlkraft und Außenwirkung der Region geht. Auch der kommunale Zusammenschluss von 13 Gemeinden zur Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald verleiht der Region einen starken Auftritt. Verfolgt man den touristischen Verlauf im Bayerischen Wald, zeigt sich deutlich, dass die Tourismuswirtschaft, trotz aller Zwischentiefs, einen beständigen und soliden Weg nach oben genommen hat und die Wertschöpfung aus dem Tourismus deutlich gestiegen ist.

Der Nationalpark ist das Herzstück des Bayerischen Waldes. Zusammen mit dem Böhmerwald ist es ein Waldgebirge, das sich über alle Grenzen hinweg zu einem der schönsten und wertvollsten Naturräume Europas entwickelt hat, dem Grünen Dach Europas.

 

Bilder:

Hochschachten (c) Nationalpark Bayerischer Wald_Stefan Sempert

Urwaldreliktkäfer Peltis grossa ©Nationalpark Bayerischer Wald_Lukas Haselberger  

Ruckowitzschachten im Sommer ©Ulrike Eberl-Walter

Lindbergschachten ©Ulrike Eberl-Walter

Steinmännchen am Weg ©Ulrike Eberl-Walter

Rehgeiss ©Nationalpark Bayerischer Wald

Kiebitz ©Nationalpark Bayerischer Wald_Rainer_Simonis

Umweltbildung mit Rangerin Kristin Biebl ©bayern.by_Jan Greune

Gast in der Natur ©bayern.by_Jan Greune

Wegemarkierung im Nationalpark (c)TVO_Ulrike Eberl-Walter