
Wirtschaftliche Krisen und politische Gewalt bedrohen in den frühen 1920er Jahren die Weimarer Republik. Zum Brennpunkt wird Bayern. Hier erringen die Nationalsozialisten erste Erfolge, scheitern aber im November 1923 mit einem Putschversuch. Im Hochverratsprozess lässt die bayerische Justiz die Rädelsführer glimpflich davonkommen. Die Bayernausstellung 2026 im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg zeigt den Kampf um die Demokratie Anfang der 1920er Jahre und wie sich darin der 1913 nach Bayern übersiedelte Hitler von der Zuschauer-, in die Statisten-, und schließlich in die Hauptrolle drängt.

Im Zeitalter der Massenkundgebungen führen die Protagonisten den Kampf um die Demokratie mit theatralischen, bereits von den Zeitgenossen als geradezu bühnenhaft wahrgenommenen Auftritten. Schriftsteller wie Lion Feuchtwanger oder die Journalistin Paula Schlier verarbeiten die Ereignisse in ihren Werken und beschreiben das bayerisch-politische Milieu als Nährboden des Nationalsozialismus. Deshalb fasst die rund 500 Quadratmeter große Ausstellung die prägenden Ereignisse im Brennpunkt Bayern in fünf Bühnenbildern zusammen und beleuchtet die zentralen Protagonisten: Wer gefährdet die Demokratie? Wer verteidigt sie? Wer wird von der Bühne gedrängt? Wer agiert im Hintergrund?
Bild: Schützenscheibe – „Friedensvertrag von Versailles“ © Königlich privilegierte Schützengesellschaft Mainbernheim von 1382/ Digitalbild: Haus der Bayerischen Geschichte. Der Versailler Vertrag vom 28. Juni 1919 schreibt gemäß Artikel 231 die alleinige Kriegsschuld Deutschland zu und sieht hohe Reparationskosten, Gebietsabtretungen sowie die Limitierung der militärischen Truppenstärke auf 100.000 Mann vor. So entsteht in der Bevölkerung das Bild vom angeketteten Deutschland, das seiner Freiheiten beraubt worden sei. Für Hitler sind der Vertrag und die demokratischen Politiker, die ihn unterzeichneten, ständige Angriffsziele seiner Reden.
Der Blick hinter die Kulissen zeigt die Radikalisierung der politischen Auseinandersetzungen nach der Revolution 1918, deckt die unrühmliche Rolle bayerischer Staatsvertreter im Krisenjahr 1923 auf, öffnet den Vorhang in die bürgerlichen Salons, enthüllt die Vernetzung der Rechtsextremisten und offenbart, warum die Niederschlagung des Hitler-Putsches 1923 nur ein vorläufiger Sieg der Demokratie ist.

Die Bayernausstellung 2026 wird in Kooperation mit dem Haus der Geschichte | Museum Niederösterreich präsentiert, das 2020 in der Ausstellung „Der junge Hitler. Prägende Jahre eines Diktators 1889 – 1914“ die Jugendjahre Adolf Hitlers in den gesellschaftlich-politischen Kontext der Donaumonarchie Österreich-Ungarn um 1900 eingeordnet hat. An die Erzählung anknüpfend, zeigt das Haus der Bayerischen Geschichte nun die gesellschaftlich-politischen Ereignisse und Strömungen in Bayern sowie Adolf Hitlers politische Anfänge in den 1920er Jahren. Die Konzeption der internationalen Kooperationsausstellung wurde von einem hochrangig besetzten wissenschaftlichen Beirat begleitet.
Bild: Porträt Winifred Wagner (1897–1980) © Richard Wagner Museum mit Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung, Bayreuth. Beim „Deutschen Tag“ in Bayreuth kommt es im September 1923 zu einem ersten Treffen zwischen Adolf Hitler und der Familie des von ihm bewunderten Richard Wagner. Wagners Schwiegertochter Winifred wird zu einer glühenden Verehrerin Hitlers, die er unzählige Male in Bayreuth besucht. Die enge Beziehung zur Familie Wagner bedeutet für Hitler eine enorme gesellschaftliche Aufwertung.
In Zeiten zunehmender Radikalisierung an den Rändern der Gesellschaft leistet das Haus der Bayerischen Geschichte mit der Ausstellung einen wichtigen Beitrag zur Demokratiebildung und Extremismusprävention. Für Schülerinnen und Schüler aller weiterführenden Schularten werden interaktive Begleitprogramme angeboten. Darüber hinaus können Schulen die ausstellungsbegleitende Plakatserie „Geschichte frei Haus“ kostenlos beziehen. Als weiteres Highlight wird vom 24. bis 26. Juli 2026 das „Fest der Demokratie“ mit umfassendem Programm für Jung und Alt die Werte unserer Demokratie in den Mittelpunkt stellen.
Als kostenlose Attraktion zeigt das Haus der Bayerischen Geschichte das 25-minütige Filmschauspiel „Wartesaal – Bayern in den 1920er Jahren“, von und mit Christoph Süß, sowie Luise Kinseher, Christian Springer, Max Uthoff und Helmut Schleich in den weiteren Rollen. Das mit modernster Technik produzierte Schauspiel blickt in eine Zeit der Auf- und Umbrüche aber auch der Abgründe. Der Film ist zweimal täglich und nach Voranmeldung auf großer Leinwand zu sehen.
Was ist die Ordnungszelle Bayern? Wie stehen Bürgertum und Beamte zur jungen Republik? Wie entwickelt sich Adolf Hitler vom perspektivlosen Weltkriegsveteran zum Anführer der Rechtsextremen? Diesen und anderen Fragen widmen sich Expertinnen und Experten im Magazin zur Ausstellung.

©Heinrich Hoffmann/Bayerische Staatsbibliothek/ Bundesarchiv, Bild 119-1486/ Haus der Bayerischen Geschichte
Die Bayernausstellung 2026 zeigt den Kampf um die Demokratie Anfang der 1920er Jahre und wie sich darin der 1913 nach Bayern übersiedelte Adolf Hitler von der Zuschauer-, in die Statisten-, und schließlich mit dem Hitler-Putsch 1923 in die Hauptrolle drängt.
Während des Hitler-Putsches versammelt sich am Vormittag des 9. November eine Menschenmenge auf dem Münchner Marienplatz. Propagandaredner sprechen zu den Schaulustigen. Kurze Zeit später scheitert der nationalsozialistische Umsturzversuch, als der Demonstrationszug der Putschisten an der Münchner Feldherrnhalle von der Bayerischen Landespolizei gestoppt wird und in einem Feuergefecht mit 20 Toten endet.



Bildbeschreibungen:
Friedensdemonstration auf der Münchner Theresienwiese am 07. November 1918
© Haus der Bayerischen Geschichte
Zehntausende demonstrieren am 7. November 1918 auf der Münchner Theresienwiese für Frieden. Nach vier Jahren Weltkrieg hat das alte monarchische System abgewirtschaftet. Angeführt von Kurt Eisner gewinnt ein kleiner Teil der Demonstrierenden nach der Friedenskundgebung die Soldaten für den Umsturz. Eisner erklärt über 700 Jahre Wittelsbacher Herrschaft in Bayern für beendet und ruft den Freistaat aus.
NSDAP-Veranstaltung im Münchner Bürgerbräukeller, 1920er Jahre
© National Archives and Records (USA)
Das Krisenjahr 1923 bringt den Extremisten Zulauf und führt die Weimarer Republik an den Abgrund. Die Ruhrbesetzung, die laufende Geldentwertung, die Angst vor einem kommunistischen Umsturz sowie der Zorn über die harten Friedensbedingungen des Versailler Vertrags füllen die Bierkellerauftritte Adolf Hitlers. 1923 wächst die Mitgliederzahl der rechtsextremen Splitterpartei NSDAP von 8.000 auf 55.000 Mitglieder.
„Stoßtrupp Adolf Hitler“ bei Vorbereitungen für den Putschversuch in München
© Heinrich Hoffmann/Bayerische Staatsbibliothek
Im Herbst des Krisenjahres 1923 ernennt die Bayerische Staatsregierung Gustav von Kahr zum Generalstaatskommissar mit diktatorischen Vollmachten. Als dieser am 8. November 1923 im voll besetzten Bürgerbräukeller sein Programm vorstellen will, stürmt Hitler mit seinen Anhängern die Veranstaltung und beginnt einen Putsch, der wenige Stunden später an der fehlenden Unterstützung von Reichswehr, Landespolizei und den bayerischen Entscheidungsträgern um Kahr scheitert.
Haus der Bayerischen Geschichte. Donaumarkt 1, 93047 Regensburg
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag von 09:00 bis 18:00 Uhr. Montags geschlossen. Fällt ein Feiertag auf einen Montag, so ist das Museum geöffnet. Geschlossen am 24.12., 25.12., 31.12., 01.01.
Eintrittspreise ins Museum
Dauerausstellung
Erwachsene 7,00 € (inklusive Bayernausstellung 2026 „Brennpunkt Bayern. Hitler und der Kampf um die Demokratie“)
Ermäßigt 5,00 € (z. B. Senioren ab 65 Jahren, Schwerbehinderte, Gruppen ab 15 Personen)
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren sowie Schüler im Klassenverband und Studierende unter 30 Jahre: Eintritt frei
Die Bayernausstellung „Brennpunkt Bayern. Hitler und der Kampf um die Demokratie“ ist barrierefrei zugänglich und bietet mit Taststationen und Texten in Leichter Sprache auch inklusive Angebote.
Führungen für Gruppen mit maximal 25 Personen in der Bayernausstellung 2026
Standardführung (60 Minuten): voraussichtlich 95,00 € zzgl. Eintritt
Schülerführung (60 Minuten): voraussichtlich 95,00 € zzgl. Eintritt
Für Informationen und Reservierungen melden Sie sich bei der Buchungshotline unter +49 (0)941 788 388 0 oder wenden sich per E-Mail an museumsfuehrung@stadtmaus.de
Führungen für Gruppen mit maximal 25 Personen in der Dauerausstellung
Standardführung (75 Minuten): voraussichtlich 110,00 € zzgl. Eintritt
Schülerführung (60 Minuten): voraussichtlich 95,00 € zzgl. Eintritt
Magazin zur Ausstellung
Erhältlich im HdBG-Onlineshop und im Museumsladen in Regensburg zum Preis von 10,00 € (ggf. zzgl. Versand) sowie im Bundle, zusammen mit dem HDBG Magazin „Tempo, Tempo – Bayern in den 1920ern“, zum Preis von 12,00€ (ggfs. zzgl. Versand).